Motorradcorso in Mainz am 9.Mai

17.05.15

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70 Jahre Kriegsende – Eine Mahnung für ein Miteinander der Menschen.

Unter diesem Motto und dem Schlagwort „Gemeinsam Zeichen setzen gegen die zunehmende Endsolidarisierung der Gesellschaft“ hat die Kuhle Wampe Mainz mit Unterstützung der umliegenden Clubs zum Motorradkorso am 9. Mai aufgerufen.

Bei schönstem Wetter sind von überall her angereiste Wampen quer durch die Mainzer Innenstadt gefahren. Leider haben trotz der Mobilisierung in Mainz und Umgebung nur wenige Nicht-Wampen teilgenommen. Für die anschließende Kundgebung am Schillerplatz konnten wir Redner vom DFG VK Mainz (Deutsche Friedensgesellschaft) und der VVN Mainz gewinnen.

Gernot vom DFG VK hat unter dem Thema „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ auch die heutige Situation in Europa und der Welt beleuchtet. Anne vom VVN hat unter anderem an die Verfolgungen im Naziregime erinnert.

Für den Verband der Motorradclubs Kuhle Wampe und den Motorradclub Kuhle Wampe Mainz haben Friedi und Andrea gesprochen. Sie haben u.a. Themen wie TTIP, G7, EU-Flüchtlingspolitik, Pegida, Rassismus und Entsolidarierung der Gesellschaft aufgegriffen.


 

 

Redebeitrag des Verbandes der Motorradclubs Kuhle Wampe und des Motorradclub Kuhle Wampe Mainz zum 9. Mai in Mainz

 

Sieben Jahrzehnte nach Kriegsende ziehen wieder Rattenfänger in Form von Parteien und Bürgerbewegungen durch Europa. Die die Schuld für die schlechte wirtschaftliche Situation von breiten Schichten der Gesellschaft den Minderheiten von Migranten und Muslimen in die Schuhe schieben. Dabei werden die wahren Schuldigen nicht genannt, die unsere gesellschaftliche Schieflage zu verantworten haben.

 

Wir als Verband der MC Kuhle Wampe sehen uns in der Verantwortung, auf dieses Missverhältnis aufmerksam zu machen. Wir sind ein Zusammenschluss von politisch interessierten Motorradfahrenden, die sich in mehr als 20 Clubs über das Bundesgebiet verteilen.

Unseren Verband gibt es seit 37 Jahren.

Wir haben uns schon immer als einen etwas anderen Motorradclub verstanden. Wir engagieren uns für die Umwelt und gegen Atomkraft, für die Interessensvertretung der motorradfahrenden Bevölkerung und gegen alte und neue Nazis.

 

Die Missstände manifestieren sich für uns in dem Austausch der Demokratie durch ein feudalistisches System, in dem wenige Wohlhabende die Richtlinien der Politik festlegen. Ein Beispiel ist TTIP – ein Handelsabkommen, in dem unter Ausschluss der Öffentlichkeit und sogar Teilen der demokratisch gewählten Parlamente europäische Standards in Frage gestellt werden. Zu Gunsten der wirtschaftlichen Interessen einiger Grosskonzerne sollen diese mühsam erarbeiteten Standard in den Bereichen Umweltschutz, Verbraucherschutz, Gesundheit, Arbeit und Soziales aufgeweicht werden. Dieses Abkommen soll mehr Gewicht erhalten als unsere demokratische Gesetzgebung. Wirtschaftsunternehmen sollen Staaten vor eigens eingerichteten privaten Schiedsgerichten verklagen können, um demokratische Gesetze zu kippen, die ihren Interessen im Wege stehen.

 

Wir als Kuhle Wampe, verstehen Handelsabkommen wie TTIP, CETA und TISA als Angriff auf die Demokratie.

Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Weltpolitik nicht geheimen, informellen Treffen wie G7 überlassen werden sollte.

 

G7, das sind die Eliten der westlichen Nationen mit globalem Führungsanspruch, deren Bevölkerungsanteil weniger als 15 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht. Die den G7-Nationen nahestehenden Institutionen wie IWF, NATO und Weltbank versuchen die Weltpolitik zu dominieren. Zum Beispiel verknüpft der IWF die Kreditvergabe an Bedingungen, die in armen Ländern oft die Zerstörung der Lebensgrundlage zur Folge hat. Korruption, Hunger und Kriege sind die Konsequenzen dieser Politik. Den Menschen bleibt vielfach keine andere Wahl, als ihre Heimat zu verlassen um eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben zu haben. An den Außengrenzen Europas angekommen sieht sich der Flüchtling mit der Abschottungspolitik der EU konfrontiert. Nach dem Austausch des es See-Rettungsprogramms Mare Nostrums durch Triton schauen wir dem massenhaften Sterben im Mittelmeer weiter zu.

Deutschland als eines der reichsten Länder Europas nimmt pro Kopf im europäischen wie weltweiten Vergleich wenige Flüchtlinge auf. Im Gegenteil durch das Dublin 3 Abkommen werden Flüchtlinge in die Mittelmeeranrainerstaaten abgeschoben, dorthin, wo sie zuerst europäischen Boden betreten haben.

 

Durch Verfolgung Krieg und Flucht traumatisierte Menschen müssen sich hier erneut Anfeindungen ausgesetzten.

Die Mitglieder des MC KW treten dafür ein den Flüchtlingen eine Chance zu bieten.

Wir engagieren uns auf vielfältige Weise zum Beispiel an Runden Tischen, Hilfe bei Arzt und Behördengängen sowie allgemeiner kultureller Integration

 

Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die derzeitigen Politik ist gestört, die etablierten Parteien scheinen austauschbar. Radikale Bewegungen die sich von diesem Einheitsbrei abheben erhalten Zulauf.

Gruppierungen wie PEGIDA schüren irrationale Ängste und Hass gegen Menschen anderer Herkunft Kulturen und Religionen. Und wieder brennen Flüchtlingsheime, nicht nur in Deutschland. In ganz Europa sind Rechtsextreme und Nationalisten auf dem Vormarsch. Unter dem Deckmantel des Patriotismus werden rechtskonservative Werte salonfähig gemacht. Braune Schlägertrupps terrorisieren immer häufiger unsere Mitmenschen.

 

Wir treten dem Treiben alter und neuer Nazis entgegen.

Rassismus und Antisemitismus und andere rechtsextreme Ideologien sind bereits im Grundsatz falsch.

Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen!

Deshalb darf der braune Terror in unserer Welt keinen Platz mehr haben.

Wo immer sich Faschisten zeigen, ist Aufmerksamkeit, Zivilcourage und Widerstand angesagt.

„Nicht mitmachen“ ist uns nicht genug.

Der MC KW unterstützt antifaschistische Aktionen und Initiativen und wird selbst aktiv.

 

Die Entsolidarisierung der Gesellschaft durch Politik und Wirtschaft schreitet fort. Die Sozialsysteme werden abgebaut. Die ältere Generation hat nach dem Krieg den Grundstein für Deutschlands heutigen Wohlstand gelegt und in dieser Zeit unglaublich viel geleistet hat. Oftmals wird sie heute nur noch als Renten-Kostenfaktor gesehen, den es möglichst klein zu halten gilt, um den “jungen Starken” nicht zur Last zu fallen. Die Solidarität, das Grundprinzip des menschlichen Zusammenlebens, welches sich in gegenseitiger Hilfe und Eintreten füreinander äussert, verschwindet immer mehr aus unserer Gesellschaft.

 

70 Jahre nach Kriegsende dürfen nicht dieselben Fehler nochmal begangen werden, die Europa in die Katastrophe geführt haben. Eure Teilnahme und Aufmerksamkeit zeigt, dass es auch anders geht. Dass es auch Menschen gibt sich nicht durch einfache Ideologien blenden lassen.

 

Dieses Datum – der 8. Mai – sollte uns und allen anderen eine Mahnung sein.

 

70 Jahre nach Kriegsende dürfen nicht dieselben Fehler nochmal begangen werden, die Europa in die Katastrophe geführt haben.

 

Eure Teilnahme und Aufmerksamkeit zeigt, dass es auch anders geht. Dass es auch Menschen gibt sich nicht durch einfache Ideologien blenden lassen.

 

Dieses Datum sollte uns und allen anderen eine Mahnung sein.

 

Und deshalb:

  • Lasst uns nicht zuschauen und erst recht nicht wegschauen, wenn Minderheiten unterdrückt werden.
  • Lasst uns nicht zuschauen, wenn sich  die Grossen und Mächtigen auf Kosten der Ärmeren und der Umwelt bereichern.
  • Heissen wir Flüchtlinge in unserem Land willkommen.
  • Geben wir ihnen ein bisschen von unserem Wohlstand ab.
  • Beziehen wir Position zum G7 Gipfel!
  • Beziehen wir Position zu TTIP!
  • Und den vielen andern Versuchen, unser Recht auf Freiheit, Selbstbestimmung und Unversehrtheit scheibchenweise zu kürzen!
  • Macht den Mund auf, wenn alte und neue rechte Gruppen marschieren, und stellt Euch mit uns zusammen in den Weg!
  • Alleine sind wir nichts, aber wir sind auch nicht alleine.
  • Schaut Euch um und nehmt diese Gedanken mit nach Hause.

Dafür bedankt sich der Verband der Motorradclubs Kuhle Wampe sehr herzlich bei Euch.